Aktive Waldgestaltung im Naturschutzgebiet Unger - Untere Naturschutzbehörde und Nationalpark- und Forstverwaltung von Sachsenforst begutachten aktuelle Maßnahmen
Das Naturschutzgebiet (NSG) Unger umfasst ganz besondere Waldbestände mit vielen alten Buchen und ist schon seit Jahrzehnten in der Obhut von Revierförsterin Annette Schmidt-Scharfe von der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz von Sachsenforst. Maßnahmen der Waldpflege und des Wegebaus, die hier kürzlich erforderlich waren, stellte sie nun der für das Gebiet zuständigen Vertreterin der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vor. Gemeinsam prüften die beiden Wald- und Naturschutzexpertinnen, ob die durchgeführten Maßnahmen der Behandlungsrichtlinie für das wertvolle Naturschutzgebiet entsprechen.
Neben älteren Waldbereichen, in denen die ökologischen Prozesse ohne forstliche Maßnahmen ablaufen können, gibt es im NSG Unger jüngere Waldbereiche, in denen die Försterin die Waldentwicklung noch aktiv in Richtung der natürlichen Bergmisch- und Buchenwälder des Oberlausitzer Berglands steuert. Zugleich soll so ein Wald entstehen, der im Klimawandel stabiler ist.
Försterin Annette Schmidt-Scharfe sind folgende Aspekte in der Waldentwicklung wichtig: Sie erhält die meisten Buchen, entnahm aber auch gezielt einzelne Exemplare um anderen Baumarten, wie Eichen oder auch Eschen, Ulmen, Ahorn und Vogelkirschen Raum zu geben. Damit fördert sie die Vielfalt und Mischung des Waldes und folglich seine Widerstandskraft im Klimawandel.
Stolz und ehrfürchtig macht sie auch auf die letzte alte Weißtanne am Unger aufmerksam, deren Entwicklung sie seit Langem verfolgt.
Neben der Baumartenzusammensetzung ist der Erhalt wertvoller Lebensräume ein zentrales Element der Waldpflege im Naturschutzgebiet Unger, das für viele Neustädter ein wichtiger Ort für ihre regelmäßigen Spaziergänge ist. Dazu zählen Schwarzspecht- oder kleinere Höhlen, Wassertöpfe und Mulmhöhlen in den alten Stämmen, die wichtige Lebensräume für Vögel, kleine Säugetiere und Insekten sind. Diese Habitate entwickeln sich erst über längere Zeit, so dass es sie in jungen bewirtschafteten Wälder seltener gibt, und bieten nicht nur vielen geschützten Arten Lebensraum.
Die Försterin belässt außerdem gezielt Totholz auf dem Boden in den Waldbeständen: „Mit dem Totholz im Bestand sorgen wir für Windruhe, bewahren organische Substanz und Feuchtigkeit im Boden, und erhalten einen wichtigen Lebensraum zum Beispiel für holzbewohnende Käfer- und Pilzarten.“ Ökologische Kreisläufe prägen die Waldbehandlung insbesondere im Naturschutzgebiet. „Das Totholz hat viele Funktionen und Vorteile“, sagt Annette Schmidt-Scharfe, „zugleich achten wir darauf, dass Waldbesucher Wege begehen können und wir als Waldarbeitende nicht gefährdet werden“. Maschinenführer legen Äste und Reisig, die bei der Durchforstung anfallen, gezielt auf den Rückegassen vor ihren Spezialfahrzeugen ab, damit diese nicht zu stark in den Waldboden einsinken oder diesen verdichten.
Viele Waldbesucher, speziell solche mit großem Interesse an der Natur, wundern sich teilweise über das verbleibende Holz auf dem Waldboden und auf den Rückegassen. Die einen wünschen sich mehr Ordnung, die anderen weniger Waldarbeiten. Die Försterin kennt die verschiedenen Ansprüche an den Wald und behält sie zusammen mit ihren Vorgaben zur Waldbehandlung im Blick. Gerade hier im Naturschutzgebiet arbeitet sie für den besten Kompromiss zwischen den Interessen.
Auch der Anblick eines kürzlich reparierten Waldweges, dem man die Baumaßnahmen noch ansieht, ist gewöhnungsbedürftig. „Hier lassen wir jetzt die Natur machen, der Weg und seine Ränder werden bald wieder bewachsen und Spuren der Arbeiten nicht mehr sichtbar sein“, so die Försterin. Eventuelle Schäden nach Forstarbeiten, etwa an Wegen, werden grundsätzlich in Ordnung gebracht, so auch hier.
„Naturschutz heißt nicht immer nichts machen“, sagt Annette Schmidt-Scharfe überzeugt. „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Wald für lange Zeit vital zu erhalten. Dafür unterstützen wir die Waldentwicklung durch steuernde Waldarbeiten. Dabei benötigen wir für die naturschutzgemäße Pflege und Entwicklung der Wälder auch Wege, die uns ein bodenschonendes Arbeiten im Wald ermöglichen“.
„Das NSG Unger ist bei der Revierleiterin in guten Händen. Die erfolgte Waldpflege ist sehr besonnen und mit dem richtigen Augenmaß durchgeführt worden. Damit wurde der Grundstein gelegt für eine weitere wertvolle Entwicklung dieses besonderen Waldes“, so die Einschätzung von Elisabeth Spann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Sächsische Schweiz Osterzgebirge zu den erfolgten Maßnahmen.
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Foto: Kati Partzsch
Die letzte alte Weißtanne im Naturschutzgebiet Unger ist eine große Besonderheit. Gemeinsam begutachten Annette Schmidt-Scharfe (m.), Leiterin des Forstreviers Unger der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz von Sachsenforst, Elisabeth Spann (r.), Vertreterin der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, und Kai Noritzsch (l.), Experte für Waldökologie und Naturschutz bei der Nationalpark- und Forstverwaltung von Sachsenforst, die Vitalität des Baumes und ob weitere Maßnahmen zu seinem Schutz oder seiner Förderung sinnvoll geplant werden müssen.