© Urheberrecht
17.03.2026

Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz: Eurasischer Luchs nachgewiesen

16.03.2026: An der Grenze zwischen dem Nationalpark Böhmische Schweiz und dem Landschaftsschutzgebiet Lausitzer Gebirge wurde ein Eurasischer Luchs nachgewiesen.

 Einen Hinweis auf die Bewegung eines Eurasischen Luchses an der Grenze zwischen dem Landschaftsschutzgebiet Lausitzer Gebirge und dem Nationalpark Böhmische Schweiz lieferten Bewohner einer der umliegenden Gemeinden. Sie begegneten dem Wildtier am Freitag, dem 13. März, kurz vor 22 Uhr auf dem Weg nach Doubice, das an der Grenze beider Schutzgebiete liegt [rund 7km vom Nationalpark Sächsische Schweiz entfernt]. Sie hielten ihr Auto an, damit das Tier die Straße überqueren konnte, und in dieser Situation gelang es ihnen, es im Licht der Scheinwerfer mit der Handykamera zu fotografieren.

Die Fahrerin Vladimíra Visokaiová schildert die Begegnung so: „Wir sahen den Lichtreflex in den Augen eines Tieres, von dem ich zunächst dachte, es könnte ein Fuchs sein, deshalb verlangsamte ich die Fahrt. Als sich die Augen weiter auf die Straße zubewegten, hielt ich ganz an. Es zeigte sich, dass das Tier viel größer war; zunächst duckte es sich in den Graben am Straßenrand, als wolle es sich verstecken. In diesem Moment war uns bereits klar, dass es sich um einen Eurasischen Luchs handelte. Als er sah, dass sich das Auto nicht näherte, trat er auf die Fahrbahn und begann, sie langsam zu überqueren. Es war überwältigend, mit eigenen Augen zu sehen, wie mächtig seine Pfoten sind und wie dicht sein Fell ist. Meine Tochter und mein Sohn fotografierten ihn geistesgegenwärtig.“

Das Foto und eine nähere Beschreibung des Ereignisses stellte die Fahrerin bereits am folgenden Tag der Verwaltung des Nationalparks Böhmische Schweiz zur Verfügung. Diese teilte die Information auch mit den Kolleginnen und Kollegen der Agentur für Natur- und Landschafts-schutz der Tschechischen Republik, auch deshalb, weil die Aufnahme auf der Seite des Landschaftsschutzgebiets Lausitzer Gebirge entstanden war.

Karolína Šůlová, Sprecherin der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik, kommentiert das Ereignis wie folgt: „Der Nachweis des Eurasischen Luchses im Gebiet des Landschaftsschutzgebiets Lausitzer Gebirge ist eine gute Nachricht über den Zustand der natürlichen Umwelt. Wir werden die Situation weiter beobachten, auch um herauszufinden, ob es sich um ein wanderndes Individuum handelt. Oder ob bereits von einem Territorium gesprochen werden kann, in dem sich der Luchs dauerhaft aufhält. Im zweiten Fall wäre dies eine hervorragende Nachricht anlässlich des diesjährigen 50. Jahrestags der Gründung des Landschafts-schutzgebiets Lausitzer Gebirge.“

Fotografische Nachweise des Eurasischen Luchses im Nationalpark Böhmische Schweiz und seiner Umgebung sind äußerst selten. Dabei werden wildlebende Tiere direkt im Nationalpark Böhmische Schweiz mit erhöhter Intensität unter Einsatz von Fotofallen dokumentiert. Unmittelbar aus dem Gebiet des Nationalparks liegen bislang nur zwei fotografische Nachweise vor: eine nächtliche Fotofallenaufnahme aus dem Jahr 2011 sowie eine von Besucherinnen und Besuchern des Nationalparks aufgenommene Fotografie aus dem Jahr 2020. Im Jahr 2011 handelte es sich vermutlich um ein wanderndes Individuum, im Jahr 2020 um ein Tier, das im Rahmen eines in Polen durchgeführten Wiederansiedlungsprogramms freigelassen worden war. Über die Herkunft des auf dem aktuellen Foto festgehaltenen Luchses lassen sich derzeit noch keine Schlussfolgerungen ziehen.

In der Tschechischen Republik kommen Luchse[1] vor allem in den Gebieten der Beskiden und der Javorníky sowie im Böhmerwald und dessen Umgebung vor. Sporadisch sind Nachweise im Altvatergebirge, im Isergebirge, im Riesengebirge oder im Erzgebirge, wo auf der sächsischen Seite derzeit ein Wiederansiedlungsprogramm läuft. Dank ihres Wanderverhaltens wurden sie beispielsweise auch im Mährischen Karst, in den Gebieten der Böhmisch-Mährischen Höhe, im Brdy-Gebirge oder eben in der Böhmischen Schweiz nachgewiesen. 

Der Eurasische Luchs ist in der Landschaft der Tschechischen Republik zahlreichen Gefahren und Hindernissen ausgesetzt. Im vergangenen Jahrzehnt wurden wiederholt Todesfälle infolge von Kollisionen mit Verkehrsmitteln registriert. Wiederholt wurden auch Fälle illegaler Jagd – Wilderei – nachgewiesen. Gerade das gesellschaftliche Problem der Wilderei haben Fachleute bereits in der Vergangenheit als Hemmnis für eine stärkere Ausbreitung dieser Art in unserer Landschaft bezeichnet [2].

Bildunterschrift: Eurasischer Luchs, aufgenommen zwischen dem Nationalpark Böhmische Schweiz und dem Landschaftsschutzgebiet Lausitzer Gebirge. Foto: Lucie Roudná

Anmerkungen: [1] Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
[2] Červený, Koubek, Bufka: Eurasian lynx (Lynx lynx) and its chance for survival in Central Europe: the case of the Czech Republic; Quelle:https://www.researchgate.net/publication/254326923_Eurasian_Lynx_Lynx_Lynx_and_its_Chance_for_Survival_in_Central_Europe_The_Case_of_the_Czech_Republic