Vorkommen der seltenen Teichfledermaus in der Nationalparkregion bestätigt
Überregionale Bedeutung der Felsgebiete der Nationalparkregion Sächsische Schweiz für Fledermäuse wird deutlich.
Anfang Februar konnten ehrenamtliche Fledermauskundler und Naturschutzfachmann Ronny Goldberg von der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz von Sachsenforst eine Teichfledermaus in ihrem Winterquartier in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz beobachten. Diese Art gehört zu den seltensten Fledermausarten in Sachsen und deutschlandweit. Die Sichtung erfolgte bei einer der jährlichen Kontrollen der Winterquartiere von Fledermäusen im Gebiet.
Bereits im vergangenen Sommer gelang der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft ein akustischer Nachweis der hochfrequenten Rufe der Teichfledermaus bei Schmilka. Das erste Mal überhaupt in der Sächsischen Schweiz konnten Experten des NABU Landesfachausschuss Fledermausschutz und des Arbeitskreises Fledermausschutz Sachsen-Anhalt eine Teichfledermaus im Sommer 2020 bei einer Netzfangaktion bestätigen. Allerdings sind bisher keine Wochenstuben der Teichfledermaus in Sachsen bekannt. Ihre Fortpflanzung ist hier also noch nicht nachgewiesen. Die Beobachtung im Winterquartier legt aber nahe, dass sich die Art häufiger hier aufhält.
Bei der Kontrolle der Winterquartiere von Fledermäusen arbeitet die Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz seit über 30 Jahren mit ehrenamtlichen Fledermauskundlern zusammen. Die Expertinnen und Experten gehen bei den Kontrollgängen sehr behutsam vor. Durch ihre langjährigen Beobachtungen lassen sich Aussagen über die Bestandsentwicklung einiger Arten ableiten. Zugleich machen sich die Fachleute bei den Kontrollen ein Bild vom Zustand der Quartiere und sie ermitteln eventuelle Probleme der Tiere bei der Überwinterung.
Probleme könnten beispielsweise Störungen durch menschliche Anwesenheit in den Winterquartieren sein. Denn Fledermäuse reduzieren im Winter ihren Stoffwechsel und haben dann eine extrem niedrige Herzschlagrate und Körpertemperatur. Werden sie gestört und wachen aus der Winterruhe auf, verbrauchen sie viel Reserveenergie. Das kann für die Tiere lebensbedrohlich sein.
Auch die Bestände der Kleinen Hufeisennase erholen sich
Gute Nachrichten gibt es auch um die bekannte Kleine Hufeisennase in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz: Höhlenforscher haben hier in diesem Winter ein bisher unbekanntes Überwinterungsquartier dieser Fledermausart mit 65 Tieren gefunden. Die Kleine Hufeisennase ist deutschlandweit gesehen selten. Im 20. Jahrhundert war sie in Deutschland sogar fast ausgestorben. Experten bringen dies mit der damals noch erlaubten Anwendung des Insektizids DDT in Verbindung.
Heute erholen sich die Bestände der Kleinen Hufeisennase und nehmen – wahrscheinlich auch durch wärmere Sommer und mildere Winter – sogar zu. Einige kleinere Winterquartiere der Art in natürlichen Höhlen der Nationalparkregion waren bereits bekannt. In den letzten Jahren haben Fledermauskundler jedoch mehrere neue Wochenstuben der Kleinen Hufeisennase in Gebäuden in der Sächsischen Schweiz gefunden. Damit ist deren Fortpflanzung in der Region belegt.
„Die vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Fledermauskundlern, Fachbüros und Behörden ist wichtig für die Erfassung und den Schutz von Fledermäusen. Den ehrenamtlich Aktiven gilt unser besonderer Dank. Außerdem danken wir allen, die im Winter auf Freizeitaktivitäten in Höhlen und Stollen verzichten, in denen Fledermäuse wohnen, sowie Hausbesitzenden, die gebäudebewohnende Fledermausarten in ihren Häusern dulden. So können die Tiere ungestört Winterruhe halten“, sagt Ronny Goldberg von der Nationalpark- und Forstverwaltung von Sachsenforst.
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Foto: Ronny Goldberg
In Februar dieses Jahres haben Fledermauskundler die seltene Teichfledermaus bei der Kontrolle von Fledermaus-Winterquartieren in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz beobachtet.