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23.02.2026

„Über den Wegrand geschaut“ – Projekt kümmert sich um unterschätzte Teile der Kulturlandschaft

Rechtzeitig zum 70-jährigen Bestehen des Landschaftsschutzgebiets Sächsische Schweiz konnte die Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz von Sachsenforst kürzlich das neue auf zwei Jahre angelegte Projekt „Über den Wegrand geschaut“ starten, bei dem es um die Pflege und den Erhalt von alten Wegrändern mit begleitenden Bäumen, Sträuchern und Lesesteinhaufen geht, die charakteristisch für unsere Region sind. 

Wer auf Feldwegen in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz unterwegs ist, begegnet den Wegrändern ganz selbstverständlich. Sie erzählen von der Besiedelung und Kulturgeschichte unserer Region. Sie sind aber auch ganz wesentlich dafür, ob wir einen Weg abwechslungsreich oder eher langweilig empfinden. 

Unter dem schönen Slogan „Gemeinsam alte und neue Wege gehen“ möchte sich die Nationalpark- und Forstverwaltung von Sachsenforst daher mit vielen Akteuren um ausgewählte Wege und Wegrandstrukturen in den Offenlandbereichen des Landschaftsschutzgebiets Sächsische Schweiz kümmern.

Für viele Bewohner unserer Dörfer und Gäste sind Feldwege elementare Erfahrungsräume und Erinnerungsorte und deshalb weitaus mehr als reine Verkehrsflächen. In der Nationalparkregion Sächsische Schweiz sind sie Teil der typischen Flurstrukturen der Waldhufendörfer. Neben den charakteristischen Sandsteinfelsen und Geländeformen des Elbsandsteins verleiht diese historische Landnutzungsform der Kulturlandschaft noch heute ihren unverwechselbaren Charakter. 

Uwe Bormeister hebt hervor: „Das Projekt „Über den Wegrand geschaut“ ist ein wichtiges Vorhaben, um beim 70-jährigen Jubiläum das Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz nicht nur zu feiern, sondern seine Einzigartigkeit gemeinsam mit den Einwohnern und vielen regionalen Akteuren zu bewahren und voran zu bringen. Die oftmals vielfältigen Wegränder sind häufig unterschätzte Elemente der Kulturlandschaft. Unsere Projektleiterin Carmen Tümpel hat in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen der Landschaftspflege mit Einwohnern der Nationalparkregion umgesetzt. Mit ihrem reichen Erfahrungsschatz möchte sie an bisher Erreichtes anknüpfen und sich für die Nationalparkregion einbringen.“

Ziel des zweijährigen Projektes „Über den Wegrand geschaut" ist es, ein gemeinsames Verständnis für die unterschiedlichen Belange und Interessen aller beteiligten Akteure zu schaffen und gemeinsame Pflegekonzepte beispielhaft zu realisieren. Unerlässliche Partner sind: 

  • Kommunen als Eigentümerinnen vieler Wegeflure,
  • Landwirtinnen und Landwirten als Flächenbewirtschaftende und Nutzende der Wege,
  • in Naturschutz, Landschaftspflege und Heimatforschung aktive Vereine und Ehrenamtliche sowie Touristiker. 

Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen der LEADER-Entwicklungsstrategie kofinanziert.

Carmen Tümpel, Sachbearbeiterin für das Projekt „Über den Wegrand geschaut“, erläutert: „Die Offenlandbereiche der Nationalparkregion Sächsische Schweiz haben im bundesweiten Vergleich noch immer eine vielfältige Struktur und Kleinteiligkeit. Dennoch haben auch hier in der Vergangenheit die Bodenreform und in der Gegenwart technische Entwicklungen und Veränderung von Bewirtschaftungsweisen ungewollte Strukturverluste in der Kulturlandschaft mit sich gebracht. Ebenso haben Flächeneigentümer und Bewirtschaftende häufig nur begrenzte Möglichkeiten, sich um Säume, Hecken oder Bäume entlang der Wege zu kümmern. Für die Natur hat das oft zum Verlust von Lebensraum und Arten geführt. Das Projekt ermöglicht uns, gemeinsam das Potenzial, das den Wegnetzen der Region und deren Wegrandstrukturen innewohnt, für positive Biodiversitätseffekte und für touristische Nutzungen auszuschöpfen und beispielhaft umzusetzen. Darauf freue ich mich!“.

Das viele Kilometer zählende Netz von Wegen und Wegrandstrukturen ist nicht nur identitätsstiftend für das landwirtschaftlich geprägte Offenland der Nationalparkregion. Als möglicher Rückzugsraum, Lebensraum und Wanderkorridor für zahlreiche heimische Pflanzen- und Tierarten ist dies ein oft unterschätzter Schlüssel für den Verbund von Lebensräumen und gegen den Verlust von Biodiversität. 

Für die Bewahrung und Entwicklung der Kulturlandschaft in der Nationalparkregion ist ein fachlicher Austausch wichtig. Das Projekt ermöglicht diesen Raum für Flächeneigentümer der Wegfluren, Kommunen und Bauhöfe, landwirtschaftliche Anrainer sowie für Einwohnerinnen, Einwohner und in Landschaftspflege und Naturschutz aktive Vereine und Ehrenamtliche. So können Kooperationsmodelle entstehen. Im Projekt werden deshalb auch praxisnahe, für alle Beteiligten zugängliche Konzepte für die Pflege von Wegrändern und Artensteckbriefe entstehen. 

Link zum Projekt „Über den Wegrand geschaut“: https://nationalpark-saechsische-schweiz.de/leader-projekt-ueber-den-wegrand-geschaut

BU:

Foto: Carmen Tümpel
Unter dem Motto „gemeinsam alte und neue Wege gehen“ sind Kommunen, Einwohner und lokale Akteure in der Nationalparkregion gefragt, wenn ausgewählte Wander- und Wirtschaftswege und deren begleitende Landschaftsstrukturen gemeinsam aufgewertet werden. Als charakteristische Kulturlandschaftselemente geben Baumreihen, Hecken und Saumgesellschaften dem landwirtschaftlich geprägten Offenland im Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz sein Gesicht.